Aufgeben ist keine Option

Ich sitze auf der Tribüne der Eishalle Langenhagen und schaue auf die Eisfläche. Die Hannover Lady Scorpions haben vor ein paar Minuten ihr Heimspiel gegen den OSC Berlin verloren, es war die elfte Niederlage in dieser Saison. Heute waren neben den Spielerinnen aus Langenhagen und Berlin, die alle ihr Bestes auf dem Eis gegeben haben,  auch noch Leute hinter den Kulissen tätig, so waren da die Trainer und Teambetreuer der beiden Teams, der Eismeister, der Hallensprecher, der DJ, zwei Betreuer für die Strafbanken, ein Zeitnehmer und der Punktrichter im Einsatz. Die einzigen, die am heutigen Tag Geld verdient haben, waren die Schiedsrichter die im Einsatz waren.

Was ist es mit den Spielerinnen? Sie spielen in der höchsten Klasse und verdienen keinen einzigen Cent. Alles was an Sponsorengeldern reinkommt, wird in den Trainings- und Spielbetrieb, in die Auswärtsfahrten und die damit verbundenen Übernachtungen gesteckt.  Für alles andere, wie z. B. Ausrüstung, müssen die Spielerinnen selber aufkommen und nicht nur das, jede Spielerin trägt mit ihrem Mitgliedsbeitrag dazu bei, dass, neben den Sponsoreneinnahmen, überhaupt der Grundstock für den 1. Bundesligaspielbetrieb gelegt und aufrechterhalten werden konnte.

Viele mögen sich denken: „Warum hört ihr denn in Langenhagen nicht einfach auf, ihr verliert doch eh jedes Spiel.“

Dass diese Saison für uns hart wird, das haben wir von Anfang an gewusst. Aber was wäre, wenn wir hier in Hannover jetzt einfach hinschmeißen würden? Nur weil es diese Saison genauso läuft, wie man erwartet hatte aber nicht so läuft wie man sich das gewünscht hätte? Wir würden all die Spielerinnen, die für ihren Sport leben, ihre Freizeit dafür opfern, bei jedem Spiel das Letze aus sich herausholen und zu den bis zu 700km entfernten Auswärtsspielen fahren, enttäuschen.

Letzte Saison hat die höchste Frauenbundesliga mit acht Vereinen begonnen. Garmisch musste während der Saison aufgeben, also waren es nur noch sieben. Dies aber auch nur, weil die Hannover Lady Scorpions eines der wenigen Teams waren, die sich getraut haben, ihr Aufstiegsrecht in Anspruch zu nehmen. Kaum eine Mannschaft will freiwillig in die Frauenbundesliga aufsteigen, weil dieser Aufstieg mit sehr hohen Kosten verbunden ist und von den meisten Vereinen einfach nicht finanziert werden kann.

Man kann den Gedanken auch weiter „spinnen“: Was wäre gewesen, wenn die Maddogs Mannheim, die in den letzten Jahren nur Niederlagen eingefahren hatten, aufgegeben hätten? Die Antwort ist einfach, die 1. Frauenbundesliga würde nur noch aus 5 Mannschaften bestehen und irgendwann können der  ESC Planegg, ECDC Memmingen und ERC Ingolstadt eine Liga mit drei Vereinen anführen oder die 1. Bundesliga würde ganz aufgelöst werden.

Es ist nicht immer leicht zu kämpfen, vor allem, wenn man das Gefühl hat, an allen Fronten kämpfen zu müssen, aber wie heißt es so schön, man muss immer einmal mehr aufstehen als man hinfällt.

 

So lange wir so tolle Mädels haben, die um jeden Puck kämpfen, versuchen jeden Schuss aus dem Kasten zu hauen und immer noch ein Lächeln auf den Lippen haben, werden auch wir hinter den Kulissen immer für unser Team da sein und auch an dem nächsten Sonntagmorgen um 09 Uhr in der kalten Eishalle sein und die Daumen drücken, weil es einfach GEIL ist diesen Zusammenhalt zu spüren und ein Teil des Ganzen zu sein.

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